Das Bild zeigt eine Untersuchung in der kinderchirurgischen Ambulanz.

Hypospadie

Was ist eine Hypospadie?

Eine Hypospadie ist eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre beim Jungen, bei der die Harnröhrenöffnung (der Meatus) nicht an der Spitze der Eichel, sondern weiter unten am Schaft oder in der Nähe des Hodens liegt. Häufig ist die Vorhaut unvollständig ventral (vorne) ausgebildet und es kann eine Peniskrümmung (Chordee) bestehen.

Hypospadien gehören zu den häufigeren angeborenen Urogenitalanomalien bei Jungen. Sie können etwa einen von 200 bis 300 Jungen betreffen. Eine familiäre Häufung ist möglich. Das Schweregrad-Spektrum reicht von leicht verschobener Harnröhrenmündung bis zu ausgeprägten Fehlbildungen.

Woran erkennt man eine Hypospadie?

  • Auffällige Lage der Harnröhrenöffnung
  • Abweichender Harnstrahl beim Wasserlassen
  • Vorhaut fehlt an der Unterseite des Penis („Kapuze“)
  • bei ausgeprägter Fehlstellung: sichtbare Krümmung des Penis

Diagnose

  • klinische Untersuchung bei Neugeborenen oder im Säuglingsalter in der Kinderchirurgie/ Kinderurologie
  • Bei Bedarf erfolgen ein Ultraschall oder weitere Untersuchungen zur Abklärung begleitender Fehlbildungen (z. B. Harnwege).

Therapie

Konservative Maßnahmen sind in der Regel nicht ausreichend. Ziel ist meist eine operative Korrektur.

Operationszeitpunkt: üblicherweise im Kleinkindalter, häufig zwischen dem 10. bis 18. Lebensmonat, um Narkose- und Entwicklungsaspekte zu berücksichtigen. Das genaue Timing besprechen wir individuell.

Ziel der Operation: Herstellung einer funktionell normalen Harnröhre mit möglichst zentral gelegener Harnröhrenöffnung, geradem Penis und funktionell sowie ästhetisch gutem Ergebnis.

Operative Verfahren: Es gibt sehr viele unterschiedliche OP-Techniken. Abhängig vom Schweregrad kann eine einzeitige Operation ausreichend sein oder bei schweren Formen eine mehrzeitige operative Korrektur erforderlich sein.

Besonderheiten nach der Operation

Nach der Operation darf sich Ihr Sohn frei bewegen und auch auf dem Bauch schlafen.

In fast allen Fällen liegt ein weicher Urinkatheter in der Harnröhre, über diesen kann der Urin einfach in ein Doppelwindelsystem abfließen. 

Wenige Tage nach der Operation erfolgt ein erster Verbandwechsel, danach dürfen Sie mit Ihrem Kind (mit liegendem Katheter) nach Hause. Etwa 10 Tage später wird der Katheter entfernt und Ihr Kind lässt wieder normal Wasser

Wir empfehlen, dass Ihr Kind insgesamt 6 Wochen nach der Operation nicht Bobby-Car, Dreirad oder Fahrrad fährt, um keinen unnötigen Druck auf den Operationsbereich auszuüben.