Das Bild zeigt einen stationären Patienten bei der Radiojodtherapie.

Radio-Jod-Therapie maligne (bösartige Schilddrüsenerkrankungen)

Die Radioiodtherapie (RIT) ermöglicht die Behandlung bestimmter bösartiger Schilddrüsentumore. Das Verfahren nutzt die Eigenschaft der Schilddrüsenzellen, radioaktives Iod ebenso aufzunehmen und zu speichern wie das Iod aus der täglichen Nahrung. Die Patientinnen und Patienten erhalten hierfür eine Kapsel mit dem radioaktiven Iod-131.

So können sowohl eventuelles Schilddrüsenrestgewebe als auch Tumorgewebe aus kürzester Distanz von innen bestrahlt und gezielt zerstört werden.

Die Radioiodtherapie erfolgt in der Regel nach einer operativen Entfernung des Schilddrüsentumors.

Therapieablauf

Zur Vorbereitung wird Ihnen Blut abgenommen, gegebenenfalls der Urin untersucht und ein Ultraschall des Halses durchgeführt. Parallel findet das Aufklärungsgespräch zur Therapie statt. Bitte bringen Sie hierzu Ihre vorhandenen medizinischen Unterlagen mit, beispielsweise Krankenhaus- oder Operationsberichte. Sie erhalten eine Checkliste, mit der Sie sich auf den stationären Aufenthalt und die Therapie vorbereiten können.

Am Tag der stationären Aufnahme sollten Sie vor der Therapie vier Stunden nüchtern sein, damit das radioaktive Iod optimal vom Körper aufgenommen werden kann. Die Gabe der Therapiekapsel mit Iod-131 erfolgt in der Regel gegen Mittag.

Da das radioaktive Iod auch außerhalb des Körpers Strahlung abgibt, kann das Speicherverhalten der Schilddrüse während der Therapie mit speziellen Messgeräten kontrolliert werden. Aufgrund dieser Strahlung ist ein Mindestaufenthalt von 48 Stunden auf der Therapiestation erforderlich. In dieser Zeit dürfen Sie keinen Besuch empfangen.

Sobald ein bestimmter Strahlenpegel unterschritten wird, ist die Entlassung möglich. Bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen ist dies meist nach zwei Tagen der Fall. Vor der Entlassung wird die Verteilung und Speicherung des Radioiods mittels Ganzkörperszintigraphie erfasst, um insbesondere iodspeichernde Metastasen auszuschließen.

Drei Monate nach der Radioiodtherapie erfolgt eine ambulante Wiedervorstellung zur Überprüfung der Bluttumormarker und der Hormoneinstellung.

Etwa sechs Monate nach der RIT ist eine stationäre Iodganzkörper-Szintigrafie erforderlich. Der Ablauf ähnelt dem der Therapie, allerdings wird eine deutlich geringere Dosis radioaktiven Iods eingesetzt. Nach der Iodeinnahme folgt ein Szintigramm des gesamten Körpers, um zu überprüfen, ob noch Tumorreste im Halsbereich oder an anderen Stellen des Körpers vorhanden sind. Auch bei dieser geringeren Dosis ist ein stationärer Aufenthalt von 48 Stunden erforderlich.

In der weiteren Nachsorge werden anfangs alle sechs Monate, später jährlich Blutproben entnommen, um den Hormonspiegel zu messen und den Tumormarker hTg zu überprüfen. Zusätzlich erfolgen Ultraschalluntersuchungen des Halses, um Rezidive oder Metastasen in Lymphknoten auszuschließen.

Der Erfolg der Radioiodtherapie hängt entscheidend davon ab, ob das Schilddrüsengewebe ausreichend radioaktives Iod aufnimmt. Da im Körper zirkulierendes Iod die Wirksamkeit erheblich beeinflussen kann, sollte eine übermäßige Iodexposition – etwa durch iodhaltige Herzmedikamente oder Röntgenkontrastmittel – mindestens sechs Monate vor der geplanten Therapie vermieden werden.

Viele Patientinnen und Patienten haben nach einer Tumoroperation vor ihrer ersten RIT eine Schilddrüsenunterfunktion. Dies ist beabsichtigt, da das Schilddrüsenhormon in dieser Phase noch nicht durch Hormontabletten ersetzt wird: Die Unterfunktion bewirkt, dass Schilddrüsen- und Tumorreste das Iod deutlich besser aufnehmen, was den Therapieerfolg erhöht. Daher wird die Unterfunktion normalerweise erst nach der RIT medikamentös ausgeglichen.

Bei wiederholten Therapien werden die künstlichen Hormone erneut abgesetzt, um diesen Effekt zu nutzen. Sollten die Symptome der Unterfunktion für Sie zu belastend oder nicht zumutbar sein, können durch die ambulante Gabe eines gentechnisch hergestellten schilddrüsenstimulierenden Hormons unterfunktionsähnliche Bedingungen für die Radioiodspeicherung erzeugt werden – ohne dass die Schilddrüsenhormone abgesetzt werden müssen.

Für Schwangere ist eine Radioiodtherapie nicht möglich. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird daher vor Ausgabe der Therapiekapsel sicherheitshalber ein Schwangerschaftstest durchgeführt. Stillende Mütter müssen vor einer RIT mindestens zwei Monate abgestillt haben. Nach der Therapie muss eine Schwangerschaft für mindestens sechs bis zwölf Monate ausgeschlossen werden – dies gilt für Frauen ebenso wie für Männer, die in diesem Zeitraum kein Kind zeugen sollten.