Das Bild zeigt einen stationären Patienten bei der Radiojodtherapie.

Radio-Jod-Therapie benigne (gutartige Schilddrüsenerkrankungen)

Die Radioiodtherapie (RIT) ermöglicht die Behandlung von Schilddrüsenüberfunktionen, bestimmten Knoten sowie Vergrößerungen der Schilddrüse. Das Verfahren nutzt die natürliche Eigenschaft der Schilddrüsenzellen, radioaktives Iod ebenso aufzunehmen und zu speichern wie das Iod aus der täglichen Nahrung.

Das verwendete Iod-131 gibt Betastrahlung ab, deren Reichweite im Gewebe lediglich etwa einen halben Millimeter beträgt. Dadurch bleibt die Wirkung auf die Schilddrüse beschränkt, während das umliegende Gewebe geschont wird.

Auf diese Weise kann krankhaftes Schilddrüsengewebe gezielt von innen bestrahlt werden. Die betroffenen Zellen sterben ab, das Gewebe vernarbt und schrumpft – eine bestehende Überfunktion normalisiert sich.

Therapieablauf

Zur Bestimmung der individuell erforderlichen Radioiodmenge ist vor der Therapie ein Radioiodtest notwendig. Hierfür kommen Patientinnen und Patienten an zwei Terminen in unsere Ambulanz.

Beim ersten Termin wird eine Kapsel mit einer geringen Dosis radioaktiven Iods eingenommen. Nach fünf bis acht Tagen erfolgt beim zweiten Termin die Messung, wie viel Iod die Schilddrüse aufgenommen hat. In seltenen Fällen werden Iodaufnahme und Messung innerhalb von 24 Stunden durchgeführt.

Im Rahmen des Tests findet das ausführliche Aufklärungsgespräch zur gesamten Therapie statt. Bitte bringen Sie hierzu Ihre relevanten medizinischen Unterlagen mit, beispielsweise Operationsberichte oder Befunde von Voruntersuchungen.

Am Tag der stationären Aufnahme sollten Sie vor der Therapie vier Stunden nüchtern sein, damit das radioaktive Iod optimal vom Körper aufgenommen werden kann. Die Gabe der Therapiekapsel mit Iod-131 erfolgt in der Regel gegen Mittag. Die Stärke der Kapsel wurde anhand des ambulanten Radioiodtests individuell festgelegt.

Da das radioaktive Iod auch außerhalb des Körpers Strahlung abgibt, kann das Speicherverhalten der Schilddrüse während der Therapie mit speziellen Messgeräten kontrolliert werden. Aufgrund dieser Strahlung ist ein Mindestaufenthalt von 48 Stunden auf der Therapiestation erforderlich. In dieser Zeit dürfen Sie keinen Besuch empfangen.

Sobald ein bestimmter Strahlenpegel unterschritten wird, ist die Entlassung möglich. Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen ist dies meist nach zwei bis fünf Tagen der Fall.

Nachdem die Schilddrüse das Radioiod aufgenommen hat, erfolgt die gezielte innere Bestrahlung des Schilddrüsengewebes. Etwa sechs Monate nach der Therapie sind die Prozesse in der Schilddrüse abgeschlossen: Das überaktive Gewebe ist geschrumpft und vernarbt. Viele Patientinnen und Patienten bemerken einen positiven Effekt, wenn ein Druckgefühl im Hals allmählich nachlässt.

In den Wochen nach der Therapie sollten die Schilddrüsenhormonwerte regelmäßig durch Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt kontrolliert werden, um eine mögliche Unterfunktion – in seltenen Fällen auch ein Wiederaufflammen einer Überfunktion – rechtzeitig zu erkennen. Die abschließende Therapiekontrolle sollte nach etwa sechs bis neun Monaten erfolgen und umfasst Laboruntersuchungen, Ultraschall sowie Szintigraphie.

Noch im Körper zirkulierendes Iod kann die Wirksamkeit der Therapie erheblich beeinflussen. Daher sollte eine übermäßige Iodexposition – etwa durch iodhaltige Herzmedikamente oder Röntgenkontrastmittel – mindestens sechs Monate vor der geplanten Therapie vermieden werden.

Auch einige Tage nach der Therapie geht noch eine geringe Strahlung von Ihnen aus. In diesem Zeitraum sollten Sie engen Kontakt mit kleinen Kindern und Schwangeren meiden sowie größere Menschenansammlungen, Veranstaltungen oder Reisen vermeiden. Bei der Entlassung wird die Anzahl der Tage festgelegt, an denen Sie die Strahlenschutzmaßnahmen beachten müssen – dies können bis zu 14 Tage sein.

Für Schwangere ist eine Radioiodtherapie nicht möglich. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird daher vor Ausgabe der Therapiekapsel sicherheitshalber ein Schwangerschaftstest durchgeführt. Stillende Mütter müssen vor einer RIT mindestens zwei Monate abgestillt haben. Nach der Therapie muss eine Schwangerschaft für mindestens sechs bis zwölf Monate ausgeschlossen werden – dies gilt für Frauen ebenso wie für Männer, die in diesem Zeitraum kein Kind zeugen sollten.