Über 100.000 Menschen mit Krebserkrankung sind in den vergangenen 40 Jahren in der Medizinischen Klinik III behandelt worden. Das Städtische Klinikum Karlsruhe bietet ein breitgefächertes Behandlungsangebot mit einer hohen Heilungschance für Menschen, die an Krebs erkrankt sind.
„Beim Blick auf die zurückliegenden Jahrzehnte wird deutlich, wie viel sich seit der Etablierung des Bereichs verändert hat“, sagt Bettina Lisbach, Erste Bürgermeisterin der Stadt Karlsruhe und Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums Karlsruhe. „Onkologische Therapien sind gezielter, schonender und deutlich wirksamer geworden. Viele Krebserkrankungen sind inzwischen gut behandelbar.“
Die Onkologie und Hämatologie – Erkrankungen des Blutes und Knochenmarks – wurde 1985 unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Fischer als eigene Abteilung aufgebaut. Von Beginn an war die Behandlung von Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis ein weiterer Schwerpunkt.
Stammzelltransplantation ermöglicht hochdosierte Chemotherapie
1996, vor 30 Jahren, kam die autologe Stammzelltransplantation hinzu. Diese wird eingesetzt, wenn Chemotherapie oder Bestrahlung das blutbildende System schwer geschädigt haben. Dabei werden der Patientin oder dem Patienten vor Beginn der Behandlung gesunde Stammzellen entnommen, die nach der Therapie zurückgegeben werden. „Die Stammzelltransplantation war ein Meilenstein der modernen Krebsmedizin“, betont Prof. Dr. Dr. Martin Holderried, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe. „Heute stehen wir erneut vor einem tiefgreifenden Wandel: Präzisionsmedizin, digitale Vernetzung und innovative Zell- und Immuntherapien eröffnen neue Möglichkeiten, Krebserkrankungen individueller und wirksamer zu behandeln als je zuvor.“
Weitere Meilensteine der ersten Jahrzehnte waren der Aufbau der ambulanten Chemotherapie, die Professionalisierung der Herstellung von Infusionen in der eigenen Apotheke sowie die Etablierung eines ersten fachübergreifenden Tumorboards.
Im Jahr 2004 übernahm Prof. Dr. Martin Bentz die Klinikleitung. Er etablierte die Palliativmedizin als zusätzlichen Schwerpunkt. Die Palliativstation betreut Patientinnen und Patienten mit nicht mehr heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen. Das oberste Behandlungsziel ist dabei ein größtmögliches Maß an Lebensqualität.
2009 kam Prof. Dr. Mark Ringhoffer als Leiter des neu gegründeten Transplantations- und Zelltherapie-Programms ans Klinikum Karlsruhe und führte die allogene Stammzell-Transplantation an der Medizinischen Klinik III ein. Bei diesem Verfahren werden bei der Behandlung von Erkrankungen des Blutbildenden Systems Stammzellen von geeigneten Spenderinnen und Spendern verwendet. Diese können helfen, die bösartigen Zellen im Körper von Patienten zu beseitigen. Derzeit bieten nur 48 Kliniken in Deutschland diese hochwirksame Behandlung an.
Tumorzentrum verbindet verschiedene Fachbereiche
Ein weiterer großer Schritt war 2010 die Gründung des Clinical Cancer Center (CCC) – Tumorzentrum Karlsruhe unter Federführung der Medizinischen Klinik III. Im CCC behandeln verschiedene Fachbereiche gemeinsam pro Jahr mehr als 10.000 Krebspatientinnen und -patienten mit der individuell bestmöglichen Therapie.
Seit 2019 bündelt eine eigene spezialisierte Sektion unter Leitung von Prof. Ringhoffer die Behandlungen mit Stammzell-Transplantation und Zelltherapien. Dazu gehört auch die CAR-T-Zell-Therapie, bei der gentechnologisch veränderte körpereigene T-Zellen gezielt gegen Krebs eingesetzt werden.
Forschung hat große Bedeutung
Auch die klinische Forschung wurde an der Medizinischen Klinik III zunehmend ausgebaut. Für die Behandlung im Rahmen klinischer Studien steht ein eigenes Team zur Verfügung, mit dessen Hilfe Patientinnen und Patienten mit den häufigen Leukämie- und Lymphom-Arten eine Behandlung mit neuen, vielversprechenden Medikamenten erhalten können. Zudem koordiniert das Team ein mit 2,4 Millionen Euro gefördertes Projekt der Deutschen Krebshilfe, mit dem die stärkere Einbindung von Primärversorgern in die Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten ermöglicht werden soll.
„Von Anfang an war die menschliche Zuwendung ein zentraler Pfeiler der Klinik, neben dem der zunehmend rasante medizinische Fortschritt immer effektivere und schonendere Behandlungen ermöglichte“, fasst Prof. Bentz die vergangenen 40 Jahre zusammen. „Ich bin mir sicher, dass wir mit unserer persönlichen, fachübergreifenden Arbeit auch in Zukunft ein verlässlicher Ansprechpartner für die Menschen in der Region sein werden und dem Krebs immer häufiger seinen Schrecken nehmen können.“