Das Bild zeigt eine Untersuchung in der kinderchirurgischen Ambulanz.

Leistenhernie/ Leistenbruch

Während bei Erwachsenen Leistenbrüche durch zu schweres Tragen oder bei der Schwangerschaft oder einer sonstigen Umfangsvermehrung des Bauches durch Lücken in der Muskulatur entstehen, sind bei Kindern Leistenbrüche meist angeboren. Anders als bei Erwachsenen, bei denen der Leistenbruch direkt durch einen Muskellücke prolabiert, sind Leistenbrüche bei Kindern sogenannte indirekte Leistenbrüche: Hier rutscht der Darm, oder bei Mädchen auch manchmal der Eierstock durch den Leistenkanal aus dem Bauchraum heraus und führt zu der typischen Vorwölbung.

Leistenkanal

Der Leistenkanal wiederum ist eine anatomisch Struktur, die dafür angelegt ist, dass beim jungen der Hoden, der in der embryonal Periode auf Höhe der Niere entsteht, im Verlauf der Schwangerschaft langsam aus dem Bauchraum heraus durch den Leistenkanal in den Hodensack wandern kann. Normalerweise verschließt sich der Leistenkanal um die Geburt herum. Als sogenanntes Unreife-Zeichen – deswegen auch häufiger bei früh geborenen Kindern – bleibt ein oder beide Leistenkanäle offen und es kommt zu den angeborenen, indirekten Leistenbrüchen. 

Wenn der Verschluss des Leistenkanals spontan nicht stattgefunden hat, ist auch kein Verschluss während der ersten Lebensmonaten oder Lebensjahre mehr von selbst möglich. Das Durchrutschen von Darmschlingen oder eines Eierstock in den offenen Leistenkanal kann im ungünstigsten Fall zu einer Einklemmung der durchgerutschten Strukturen führen. Diese ist stark schmerzhaft. In einem solchen Fall mit Vorwölbung an der Leiste und Schmerzen stellen Sie sich und Ihr Kind bitte jederzeit in unserer Kindernotaufnahme vor. Durch die Einklemmung könnten schlimmstenfalls Durchblutungsstörungen des eingeklemmten Gewebes Komplikationen führen.

Leistenbruch entlasten

Deshalb gilt die Faustregel, dass ein eingeklemmter Leistenbruch nach Möglichkeit innerhalb von 6 Stunden entlastet werden sollte. Das bedeutet, dass zunächst nach Gabe von Schmerzmittel und manchmal auch Beruhigungsmittel (sogenannte Analgosedierung) durch einen Kinderchirurgen oder Kinderarzt der Leistenbruch „reponiert“ wird. Hierbei wird der eingeklemmte Inhalt aus dem Leistenbruch durch den inneren Leistenring schonend wieder in den Bauchraum zurückgedrückt. Im Intervall wird dann eine operative Versorgung des Leistenbruches mit Ihnen geplant werden.

In seltenen Fällen gelingt diese Reposition primär nicht, dann muss eine notfallmäßige Leistenbruchoperation erfolgen.

Operation

Die Operation eines Leistenbruches im Kindesalter kann entweder über einen kleinen Hautschnitt im Bereich der Leistenfalte (chirurgisch offen) erfolgen. Alternativ bieten wir auch die minimal-invasive Versorgung von Leistenbrüchen an. Hierbei wird über einen minimalen Zugang am Nabel eine Bauchspiegelung durchgeführt und die Leistenringe von innen verschlossen. Der Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens besteht darin, dass auch die Gegenseite inspiziert werden kann und bei Bedarf gleich mit versorgt werden kann. Während Ihr Kind beim offen-chirurgischen Verfahren normalerweise noch am OP-Tag nach Hause entlassen werden kann, erfolgt nach dem minimal-invasiven Verfahren die stationäre Überwachung bis zum Folgetag.