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Zeichen des Krieges bleiben – Friedensdorf bringt 19 palästinensische Kinder zurück nach Gaza

Der 10-jährige Thaer wurde in Karlsruhe operiert

Das Hoffen und Bangen hat ein Ende. Die Rückführung der palästinensischen Kinder, die im vergangenen September mithilfe von Friedensdorf International und der „Palästinensischen Ärzte- und Apothekervereinigung Berlin-Brandenburg e.V.“  nach Deutschland kamen, gestaltete sich nicht leicht. Doch nun geht es für 19 Mädchen und Jungen endlich zurück. Ausgerechnet über Tel Aviv werden sie heimkehren, nachdem sie fast ein Dreivierteljahr in deutschen Kliniken und dem Oberhausener Friedensdorf verbracht haben.

Der palästinensisch-israelische Konflikt eskalierte im Sommer 2014 und brachte noch mehr Leid in eine ohnehin krisenreiche Region. Wie auch andernorts sind im Nahen Osten die Kinder die unschuldigsten Opfer dieser Auseinandersetzung. Splitterverletzungen, Verbrennungen und gebrochene Knochen sind nur einige der grausamen Folgen. Rund neun Monate später fliegen am morgigen Dienstag die letzten 19 der 42 Mädchen und Jungen zurück, die ihre Heimat verließen, um medizinische Hilfe zu bekommen. Sie kehren heim mit Prothesen und sichtbaren Narben, aber auch mit einer zweiten Chance und neuen Erfahrungen.

Einer von ihnen ist der 10-jährige Thaer. Er überlebte eine Explosion, verlor sein rechtes Bein und erlitt schwere Splitterverletzungen am ganzen Körper. Das Städtische Klinikum in Karlsruhe erklärte sich bereit, kostenfrei seine Behandlung zu übernehmen. Professor Dr. Dr. Peter Schmittenbecher, Klinikdirektor und Kinderchirurg, operierte ihn mehrfach. Heute geht es Thaer gut und er fiebert seiner Heimkehr entgegen. Im Friedensdorf erhielt er in den letzten Wochen intensive Krankengymnastik und lernte, mit seiner Prothese zu laufen.

Die Zeit in Deutschland hat bei Thaer und den anderen Kindern nicht nur die körperlichen Wunden geheilt, sondern ihnen auch eine wesentliche Erkenntnis ermöglicht: Nicht überall dort, wo verschiedene Religionen, Nationalitäten und Weltanschauungen aufeinandertreffen, muss Krieg herrschen. Im Friedensdorf in Oberhausen gelingt es Kindern aus rund neun Nationen friedlich miteinander auszukommen. Und das obwohl die meisten von ihnen sichtbare Zeichen am Körper tragen, die belegen, dass sie bereits anderes erleben mussten.

Verlässliche Kooperationen sind wichtig

Anders als etwa in Afghanistan und Angola, wo das Friedensdorf bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv ist und auf erprobte Strukturen in der medizinischen Einzelfallhilfe zurückgreifen kann, hielt der Hilfseinsatz in Gaza deutlich mehr Unwägbarkeiten bereit. So musste der Charterflug im September wegen nicht eindeutiger behördlicher Aussagen und einer unklaren Situation vor Ort um einige Tage verschoben werden. Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs und Mitarbeiterin Maria Tinnefeld waren dann aufgebrochen, um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Letztlich funktionierte doch alles und selbiges ist für die Rückführung zu hoffen. „Wir sind uns im Klaren darüber, dass dieser Hilfseinsatz mit besonderen Risiken und Unwägbarkeiten verbunden ist. Aber wir setzten alles daran, die Kinder sicher und zügig zu ihren Angehörigen zurückzubringen“, betont Leiter Thomas Jacobs.
Dank des humanitären Einsatzes aller Beteiligten - sei es die israelische Botschaft in Berlin, das zuständige Ministerium in Israel, die deutsche Vertretung in Ramallah und die zuständigen palästinensischen Stellen in Gaza – ist es gelungen, eine Genehmigung zu erwirken, dass die Kindergruppe mit drei Friedensdorf-Begleitern über Tel Aviv wieder ihren Familien in Gaza zugeführt werden kann. Die Ankunft der Gruppe wird gegen Dienstagabend in Gaza-Stadt erwartet.

Quelle: FRIEDENSDORF INTERNATIONAL

Petra Geiger
Autor: Petra Geiger