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Weniger interne Notfälle dank klarer Handlungsanweisungen

Frühwarnsystem EWS im Klinikum Karlsruhe hat Pilotphase abgeschlossen

Jeden Tag kommt es in deutschen Krankenhäusern zu innerklinischen Notfällen. Um diesen vorzubeugen, hat eine Projektgruppe am Städtischen Klinikum Karlsruhe 2017 begonnen, schrittweise ein in Großbritannien bereits gebräuchliches Frühwarnsystem einzuführen. Dieser Early-Warning-Score (EWS) bewertet verschiedene Vitalparameter des Patienten in einem Punktesystem. Ist eine bestimmte Punktzahl erreicht, sollen Ärzte- und Pflegeteams auf vordefinierte Art und Weise handeln. „Wir verfolgen damit mehrere Ziele“, erklärt Dr. Björn Bergau, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, der den EWS betreut. „Dazu gehören mehr Patientensicherheit und weniger ungeplante Verlegungen auf die Intensivstation. Durch harte Fakten geben wir dem Pflegepersonal aber auch mehr Sicherheit für die Alarmierung des Stationsarztes oder des Notfallteams.“

Tatsächlich verspricht das Projekt ein Erfolg zu werden. Die Einarbeitungszeit ist kurz, der Aufwand für die Ermittlung des EWS hält sich mit 3 bis 5 Minuten pro Patient in Grenzen. Erste Auswertungen über die Datenbank des Deutschen Reanimationsregisters zeigen, dass die Zahl der Einsätze des Notfallteams im Schnitt gleich geblieben ist, aber die Reanimationen deutlich zurückgegangen sind: Ihre Zahl ist von 57 im Jahr 2016 auf 30 im Jahr 2019 gesunken, die Notfallversorgungen sind entsprechend von 59 auf 83 gestiegen.

„Das liegt vor allem auch daran, dass die Pflegekräfte und das ärztliche Personal auf den Normalstationen die Aufgabe gut angenommen haben, frühzeitig auf kritische Patienten aufmerksam werden und so die Behandlung beginnt, bevor der ‚große oder tödliche Notfall‘ eingetreten ist“, betont Andreas Bertsch, der das Projekt als Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin in der Pilotphase geleitet hat. „Wir haben den EWS als monitorgestütztes Frühwarnsystem im November 2017 zunächst nur in der Gefäßchirurgie in Betrieb genommen, um hier Erfahrungen zu sammeln.“ Nach den positiven Rückmeldungen folgten im August 2018 die Unfallchirurgie, im Januar 2019 die Neurochirurgie und im Juli 2019 Stationen der Allgemeinchirurgie sowie Teile der Urologie. Perspektivisch sollen alle Normalstationen der operativen Kliniken im Neubau Haus M an den EWS angeschlossen werden.

Autor: Oliver Stilz