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„Stammzelltransplantationen sind unverzichtbar“

Große Erfahrung und Hygienemaßnahmen machen Eingriffe während der Pandemie möglich

Menschen mit einer Krebserkrankung zählen in der Corona-Pandemie zu den Hochrisikopatienten. Weil ihr Immunsystem durch Erkrankung und Therapie geschwächt ist, sind sie generell anfällig für Infektionen und damit auch für einen schweren Verlauf von COVID-19. Gleichzeitig ist es für viele Patienten überlebenswichtig, dass ihre Behandlung weitergeht. Das gilt gerade für Menschen, die auf eine Stammzelltransplantation oder eine Knochenmarktransplantation warten. Das Städtische Klinikum Karlsruhe bietet Patienten mit Erkrankungen des blutbildenden Systems seit gut zehn Jahren jede Art der Stammzelltransplantation an – allogen, d.h. von anderen Menschen, und autolog, d.h. als Eigenspende. „Wir haben auch während der Corona-Krise alle Möglichkeiten zur Behandlung unserer Patienten“, betont Prof. Mark Ringhoffer, Leiter der Stammzelltransplantation am Städtischen Klinikum.

Bei der Entscheidung, wer in der jetzigen Situation eine Stammzelltransplantation bekommt, richten sich die Experten nach den Empfehlungen ihrer Fachgesellschaften. „Bei manchen Patienten haben wir nur ein kleines Zeitfenster für die lebensrettende Transplantation. Solche führen wir selbstverständlich durch“, erklärt Dr. Lukas Kündgen, Qualitätsmanager der Stammzelltransplantation. „Transplantationen, die wir ohne Nachteile für den einzelnen Patienten verschieben konnten, haben wir gerade in der Zuspitzung der Corona-Pandemie zeitlich nach hinten gesetzt.“ Wichtig ist den Medizinern dabei, die Entscheidungen individuell zu treffen und den Betroffenen verständlich zu machen.

Um den Patienten mit onkologischen oder hämatologischen Erkrankungen einen besonderen Schutz zu ermöglichen, werden sie getrennt von den Patienten mit COVID-19 behandelt. Im stationären wie im ambulanten Bereich greifen umfangreiche Maßnahmen, die Ringhoffer, Kündgen und ihre Kollegen wöchentlich überprüfen – engmaschig abgestimmt mit den Abteilungen für Transfusionsmedizin sowie für Mikrobiologie und Hygiene. „Stationäre Patienten screenen wir von der Aufnahme an 14 Tage regelmäßig auf das neue Coronavirus, wir arbeiten durchgängig mit Mundschutz und lassen uns als Personal ebenfalls testen“, nennt Kündgen einige Maßnahmen.

Im ambulanten Bereich wurde z.B. eine Videosprechstunde eingerichtet. „Die Telemedizin wird regelmäßig genutzt, kann aber die Qualität der körperlichen Untersuchung nicht völlig ersetzen“, schränkt Ringhoffer ein. Vielmehr stellt das Transplantationsteam sicher, dass jeder Patient von einem Arzt behandelt wird, der ihn kennt und der in der Transplantation erfahren ist.

„Wir transplantieren nur dann, wenn der Patient davon einen deutlichen Vorteil im Vergleich zu anderen Verfahren hat“, betont Ringhoffer. „Daher können wir auch während der Corona-Pandemie nicht darauf verzichten.“ Seine Patienten bringen in der Regel ein hohes Maß an Disziplin und Eigenengagement mit und befolgen die empfohlenen Hygienemaßnahmen sehr genau. Das hilft ihnen natürlich auch im Corona-Jahr 2020.

In Zukunft wird das Transplantationszentrum, das nach den Standards des Joint Accrediation Committee ISCT-EBMT (JACIE) akkreditiert ist, noch mehr Menschen helfen können: Mit dem hochmodernen Neubau von Haus M steigen auf der Transplantationsstation die Kapazitäten insbesondere für allogene Stammzelltransplantationen.

Autor: Oliver Stilz