Presse

Pressegespräch Corona-Pandemie

29. Januar Aktuelle Lageeinschätzung

Interviewpartner

  • Prof. Dr. med. Michael Geißler, Geschäftsführer
  • Prof. Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III
  • Josef Hug, Pflegedirektor und Prokurist
     

Themenschwerpunkte

  • Einschätzung zur Lage bundesweit
  • Einschätzung zur Lage in der Region, in den anderen Kliniken und im Klinikum Karlsruhe
  • Aktuelle Personalsituation im Klinikum Karlsruhe
  • Antikörpertherapie
     

Einschätzung zur Lage bundesweit

Seit Mitte Januar sinken die Corona-Fallzahlen. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich die Situation weiter entspannt. Die Zahl der Neuinfektionen geht im Wochenvergleich zurück, am 28. Januar wurden dem RKI 14.022 Fälle gemeldet. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 94,4. Der R-Wert liegt derzeit bei 0,9. Wegen der nach wie vor sehr hohen Zahl an infizierten Personen in Deutschland weist dieser auf eine hohe Zahl an täglichen Neuinfektionen hin. Am 28. Januar sind laut RKI 839 Menschen an oder mit einer COVID 19-Erkrankung verstorben.

Derzeit treten weltweit verschiedene Virusvarianten auf. Deren Auswirkung auf die Ausbreitung von SARS-CoV-2 sowie die Wirksamkeit von Impfungen gilt es jetzt eingehend zu untersuchen.

Einschätzung der Lage in der Region und im Klinikum Karlsruhe

7- Tage Inzidenz Karlsruhe Stadt 66 und Landkreis Karlsruhe 75,7 (Stand 28.01.2021)
Corona-Portal Karlsruhe

In den vergangenen Tagen beobachten wir im Städtischen Klinikum Karlsruhe stabile Fallzahlen. Im Bereich der COVID-Normalstationen behandeln wir noch immer deutlich weniger Fälle als noch zum Jahreswechsel, während die Auslastung auf der COVID-Intensivstation weiterhin hoch ist. Insgesamt befinden wir uns weiter in Pandemiestufe 3.

Für den Fall, dass sich die pandemische Lage weiter stabilisiert, bereiten wir uns vor, die COVID-Normalstationen ab dem 1. Februar zu reduzieren und den klinischen Normalbetrieb in den konservativen Fächern dosiert wieder hochzufahren.

Das bedeutet konkret, dass die konservativen Fachabteilungen und die Pädiatrie sukzessive ihr Elektiv-Programm wieder aufnehmen können, gleiches gilt für den Ambulanzbetrieb.

Die chirurgischen/operativen Fachabteilungen können wegen der anhaltenden Belastungssituation auf den COVID-Intensivstationen weiterhin ausschließlich Notfälle und dringliche Fälle versorgen. Die Aufnahme des Regelbetriebs hängt hier von den zur Verfügung stehenden OP-Kapazitäten und Bettenschließungen auf den Stationen sowie vom weiteren Verlauf der Pandemie und der Häufigkeit schwerer COVID-19-Erkrankungen ab.

Eine ähnliche Entspannung auf den Intensivstationen erwarten wir erst Mitte Februar. Dort halten wir in der weiterhin geltenden Pandemiestufe 3 vorerst 16 Betten für COVID-Patienten vor.

Tagesaktuelle Situation im Klinikum Karlsruhe
Aktuelle Fallzahlen

Aktuelle Personalsituation

Zum aktuellen Zeitpunkt sind 10 Mitarbeitende im Klinikum Karlsruhe positiv auf SARS-CoV-2 getestet und unterliegen einem durch das Gesundheitsamt erteilten Beschäftigungsverbot.

Im Bereich des Pflege- und Funktionsdienstes fallen aktuell insgesamt 148 Mitarbeitende durch Krankheit, Quarantäne oder Beschäftigungsverbot aus. Davon befinden sich 32 Mitarbeitende in Quarantäne oder im Beschäftigungsverbot.

Der Pflegedienst in den COVID-Intensivbereichen arbeitet nach wie vor mit sehr hoher Belastungsintensität. Viele Beschäftigte sind Corona-bedingt seit drei Monaten an einem anderen Arbeitsplatz im Einsatz und haben den berechtigten Wunsch, bald wieder an ihren angestammten Arbeitsplatz zurückzukehren.

Ansatz der Antikörpertherapie

Neben der Schutzimpfung will die Bundesregierung auch eine medizinische Behandlung mit Antikörper-Medikamenten ermöglichen. So genannte monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen für eine passive Immunisierung sorgen.

Die Bundesregierung hat für Deutschland neue Corona-Medikamente auf Antikörper-Basis gekauft. Dieses soll in den kommenden Tagen zunächst an ausgewählte Uni-Kliniken ausgeliefert werden und bei erwachsenen Patienten mit milden oder moderaten Symptomen und einem Risiko für schwere Verläufe zum Einsatz kommen. Dabei unterstützen Abwehreiweiße das Immunsystem.

Ähnlich wirkt die Verabreichung von Rekonvaleszentenplasma, das Menschen spenden, die eine SARS-CoV-2-Infektion erfolgreich überstanden haben. Das Klinikum nimmt in diesem Bereich an Studien teil und nutzt diesen Therapieansatz.

Autor: Oliver Stilz