Presse, Neuigkeiten

Pressegespräch Corona-Pandemie

Lageeinschätzung am 5. März

Interviewpartner

  • Prof. Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III
  • Elvira Schneider, Pflegedirektorin
  • Dr. med. Eberhard Kniehl, Leiter Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
     

Themenschwerpunkte

  • Einschätzung zur Lage bundesweit
  • Einschätzung zur Lage in der Region und im Klinikum Karlsruhe
  • Aktuelle Personalsituation im Klinikum Karlsruhe
  • Impfen im Klinikum
  • Teststrategie mit Antigentests
     

Einschätzung zur Lage bundesweit

Nach sinkenden Fallzahlen seit Mitte Januar steigt die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen weiter an. Der 7-Tage-R-Wert liegt wieder bei 1. Gleichzeitig steigt die Zahl der Coronainfektionen, die durch eine Mutation des SARS-CoV-2-Erregers verursacht wurden – insbesondere der Anteil der erstmals in Großbritannien festgestellten Variante. Der Anteil der britischen Variante ist in der RKI-Testzahlerfassung inzwischen auf ca. 40 Prozent gestiegen. In Großbritannien gibt es mittlerweile nur noch Reste anderer Varianten, "B.1.1.7" dominiere vollkommen, so Virologe Prof. Christian Drosten.

Am 04. März wurden dem RKI insgesamt 10.580 Fälle gemeldet. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz stieg auf 65,4. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit einer COVID 19-Erkrankung lag bei 264.

Einschätzung der Lage in der Region und im Klinikum Karlsruhe

7-Tage-Inzidenz Karlsruhe Stadt 56,1 und Landkreis Karlsruhe 55 (Stand 05.03.2021)
https://corona.karlsruhe.de/aktuelle-fallzahlen

Während sich die 7-Tage-Inzidenz im Stadtkreis Karlsruhe wieder über 50 gestiegen ist und sie im Landkreis Karlsruhe in die Nähe dieser Marke sinkt, geht die Auslastung im Klinikum Karlsruhe im Bereich der COVID-Normalstationen und der COVID-Intensivstation inzwischen zurück.

Wir vollziehen derzeit eine schrittweise Umstrukturierung des Personals und der Bettenzahl zu Gunsten des Normalbetriebs, planen aber das Szenario einer steigenden Zahl von COVID-Patienten mit ein.

Bislang konnten im Klinikum Karlsruhe 13 Patienten mit der britischen und 4 mit der südafrikanischen Virusvariante identifiziert werden. Bislang wurde bei 2 Mitarbeitenden die britische Variante festgestellt. Die Fälle stehen nicht miteinander in Zusammenhang.

Wie bereits berichtet, werden im ohnehin strikt abgetrennten COVID-Bereich Patienten mit Coronavirus-Mutationen (Variants of Concern) bzw. Verdacht auf solche von den anderen SARS-CoV-2-Patienten isoliert.

Tagesaktuelle Situation im Klinikum Karlsruhe

Aktuelle Personalsituation

Derzeit sind 5 Mitarbeitende im Klinikum Karlsruhe positiv auf SARS-CoV-2 getestet und unterliegen einem durch das Gesundheitsamt erteilten Beschäftigungsverbot.

Im Bereich des Pflege- und Funktionsdienstes fallen aktuell insgesamt 123 Mitarbeitende durch Krankheit, Quarantäne oder Beschäftigungsverbot aus. Davon befinden sich 37 Mitarbeitende in Quarantäne oder im Beschäftigungsverbot.

Impfen im Klinikum                                     

Seit vergangener Woche haben wir unsere Beschäftigten direkt vor Ort entsprechend der Vorgaben der Corona-Impfverordnung geimpft. Bis zum heutigen Freitag konnten wir täglich 200 Impfungen durchführen. Die Termine sind sehr gefragt und die Mitarbeitenden nehmen diese zu fast 100 Prozent wahr. Insgesamt wurden rund 1.290 Dosen für eine Erstimpfung genutzt. Soweit bisher bekannt, liegen die Nebenwirkungen bei den bereits geimpften Beschäftigten des Klinikums im Rahmen des Erwarteten und sind individuell sehr verschieden. Die Impfungen vor Ort im Klinikum sind damit abgeschlossen.

Teststrategie mit Antigentests

Die Bunderegierung sieht die breite Durchführung von Antigentests in der Bevölkerung vor, um Infektionen auch dann zu erkennen, wenn die Personen keine Symptome haben oder Kontakt zu infizierten Menschen hatten. Diese Antigentests sollen nicht von Privatpersonen selbst, sondern von benannten Stellen durchgeführt werden.

Wir halten Antigentests für sinnvoll, um ein kurzfristige Aussage darüber zu treffen, ob die getestete Person infektiös ist. Prinzipiell sind diese Test damit sinnvoll, wenn es z.B. um einen Konzertbesuch in den nächsten Stunden geht. Eine langfristige Aussage lässt sich von den Antigentests nicht ableiten.

Antigentests bringen allerdings gewisse Unsicherheiten mit sich. So besteht eine Wahrscheinlichkeit für falsch-positive Tests. Der Anteil falsch-positiver Tests erhöht sich mit fallender Krankheitswahrscheinlichkeit, so dass möglicherweise deutlich mehr falsch-positive Testergebnisse als richtig-positive ermittelt werden. Allerdings müssen per Antigentest ermittelte Positivfälle immer mit einem PCR-Test nachgetestet werden.

Kritischer sind daher falsch-negative Antigentest-Ergebnisse. Diese können zum einen daraus resultieren, dass die getestete Person zum Testzeitpunkt eine nur geringe Viruslast in sich trägt. Zum andern können sie bei einer falschen Probeentnahmetechnik entstehen. Da die Antigentests auch von Anbietern außerhalb des Gesundheitswesens durchgeführt werden sollen, wird hier aus unserer Sicht ein Vorgang in Bereiche verlegt, die weder einer Qualitätssicherung in der Probeentnahme noch in der Durchführung der Untersuchung unterliegen. Dadurch kann die Qualität der Ergebnisse beeinträchtigt sein. Es wäre daher zu fordern, dass politisch klare und verbindliche Vorgaben zur Qualitätssicherung unabhängig von der durchführenden Struktur vorgegeben werden. Sonst steht der im jetzigen Öffnungskonzept wichtige Baustein der Antigentestung zur Eindämmung der Pandemie auf wenig solidem Boden mit der Gefahr einer Zunahme der Virusausbreitung.

Ungeachtet der Testergebnisse sind die bekannten AHA-Regeln weiter unbedingt einzuhalten.

Autor: Oliver Stilz