Presse, Neuigkeiten

Pressegespräch Corona-Pandemie

Lageeinschätzung am 15. April

Interviewpartner

  • Prof. Dr. med. Michael Geißler, Geschäftsführer
  • Prof. Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III
  • Prof. Dr. med. Joachim Kühr, Klinikdirektor Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
  • Elvira Schneider, Pflegedirektorin
     

Themenschwerpunkte

  • Einschätzung zur Lage bundesweit
  • Einschätzung zur Lage in der Region
  • Aktuelle Situation im Klinikum Karlsruhe
     

Einschätzung zur Lage bundesweit

Aufgrund der anhaltend hohen Fallzahlen und des aktuell beschleunigten Wiederanstiegs der Inzidenz schätzt das Robert-Koch-Institut in seinem Situationsbericht vom 14. April die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein. Nach einem vorübergehenden Rückgang der Fallzahlen über die Osterfeiertage setzt sich der starke Anstieg der Fallzahlen fort.

Der 7-Tage-R-Wert liegt derzeit über 1, wobei hier noch der Einfluss der Osterfeiertage zu beachten ist. Die COVID-19-Fallzahlen stiegen in den letzten Wochen in allen Altersgruppen wieder an, besonders stark jedoch bei Kindern und Jugendlichen, von denen auch zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen ausgehen. Auch bei den über 80-Jährigen hat sich der wochenlang abnehmende Trend nicht fortgesetzt. In den meisten Fällen ist der Infektionsort nicht bekannt. COVID-19-bedingte Ausbrüche betreffen momentan insbesondere private Haushalte, zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld, während die Anzahl der Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen abgenommen hat.

Der Positivenanteil der Testungen nimmt wieder zu und liegt aktuell bei über 12 Prozent. Die drei bekannten besorgniserregenden Virusvarianten der Linie B.1.1.7 (erstmals nachgewiesen in Großbritannien), der Linie B.1.351 (erstmals nachgewiesen in Südafrika) und der Linie P.1 (zirkuliert hauptsächlich im brasilianischen Bundesstaat Amazonas) werden mit verstärkter Probensequenzierung und Datenerfassung im Deutschen elektronischen Sequenzdaten-Hub im Rahmen der Integrierten Molekularen Surveillance (IMS) intensiv beobachtet.

Die britische Variante VOC B.1.1.7 ist bundesweit nach wie vor die dominierende SARS-CoV-2-Variante.

Am 15. April wurden dem RKI insgesamt 29.426 neue Infektionen gemeldet. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt weiter an und liegt bei 160,1. Die Zahl der gemeldeten neuen Todesfälle in Zusammenhang mit einer COVID 19-Erkrankung liegt bei 293.

Einschätzung der Lage in der Region und im Klinikum Karlsruhe

Auch die regionalen Infektionszahlen sind im Vergleich zur Vorwoche angestiegen. Die positiven Testergebnisse sind zu 86 Prozent auf die britische Variante zurückzuführen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Karlsruhe Stadt bei 148,4 und im Landkreis Karlsruhe bei 154,6 (Stand 15.04.2021).

Corona-Portal Karlsruhe

Städtisches Klinikum Karlsruhe befindet sich weiterhin in der Pandemiestufe 3

Die Auslastung des Städtischen Klinikums bewegt sich auf den COVID Allgemeinstationen wie auch im Bereich der COVID Intensivstation weiterhin auf einem hohen Niveau. Es ist eine stoßartige an-und abschwellende Belastung zu beobachten.

Aufgrund der Pandemiestufe 3 müssen nach wie vor elektive und nicht dringliche Operationen sowie Interventionen verschoben beziehungsweise abgesagt werden. Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen wie Schlaganfällen, Herzinfarkten oder onkologische Erkrankungen ist im Klinikum Karlsruhe als Maximalversorger sichergestellt.

Die aktuell vorliegenden positiven Testergebnisse sind ausschließlich auf die britische Variante zurückzuführen.

Auch in dieser Woche zeichnet sich noch keine spürbare Entspannung bei den Intensivkapazitäten im non COVID-Bereich der Intensivstationen ab.

Tagesaktuelle Situation im Klinikum Karlsruhe

Aktuelle Fallzahlen im Klinikum

Aktuelle Personalsituation

Derzeit sind 14 Mitarbeitende im Klinikum Karlsruhe positiv auf SARS-CoV-2 getestet und unterliegen einem durch das Gesundheitsamt erteilten Beschäftigungsverbot.

Im Bereich des Pflege- und Funktionsdienstes fallen aktuell insgesamt rund 120 Mitarbeitende durch Krankheit, Quarantäne oder Beschäftigungsverbot aus. Davon befinden sich 36 Mitarbeitende in Quarantäne oder im Beschäftigungsverbot.

Behandlung von Kindern und Jugendlichen

Die zwischenzeitlich dominierende Virus-Mutation B.1.1.7 sorgt bundesweit dafür, dass zunehmend auch Kinder und Jugendliche aufgrund schwererer Krankheitsverläufe stationär in Kliniken behandelt werden müssen. Im Klinikum Karlsruhe wurden seit Bestehen der Pandemie insgesamt 31 Kinder und Jugendliche mit COVID-19 behandelt. Davon benötigten fünf eine intensivmedizinische Behandlung. Zwei der fünf Intensivpatienten mussten künstlich beatmet werden. Insgesamt zeigten sich mit Blick auf die Altersverteilung höhere Fallzahlen bei Säuglingen sowie bei Kindern zwischen dem vierten und zwölften Lebensjahr.

Als Folge einer COVID-Erkrankung kann sich ein PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) entwickeln. Die Schwere der primären COVID-Erkrankung ist dabei nicht ausschlaggebend. Ein PIMS kann sich selbst bei leichten oder unerkannten Krankheitsverläufen ergeben. Es tritt zwei bis vier Wochen nach der eigentlichen Infektion auf. Die Betroffenen zeigen dabei Symptome wie Fieber, Kreislaufprobleme, Bauchschmerzen, Hautauschläge oder Schleimhautentzündungen in Folge einer überschießenden Immunreaktion auf die COVID-19 Erkrankung. Das Auftreten ist selten, kann aber mit ernsthaften Folgeerkrankungen einhergehen. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologe e.V. (DGPI) erfasst bundesweit über ein Melderegister Erkrankungsfälle mit dem Syndrom. In der Zeit vom 27. Mai 2020 bis zum 11. April 2021 wurden der DGPI 265 Kinder und Jugendliche gemeldet. Im Klinikum Karlsruhe wurden bislang vier Kinder mit einem PIMS behandelt. Das Alter der Betroffenen bewegte sich zwischen ein und vier Jahren.

Seit Beginn der Pandemie wurden am Klinikum Karlsruhe rund 2.050 PCR-Tests bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Bei 25 ergab sich ein positiver Nachweis auf SARS-CoV-2. Darüber hinaus erfolgten bei rund 1.400 Begleitpersonen dieser Kinder und Jugendlichen PCR-Tests mit 24 Positiv-Nachweisen.

Petra Geiger
Autor: Petra Geiger