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Erstmals in Karlsruhe Kaltplasma-Therapie zur Behandlung chronischer Wunden eingesetzt

Klinikum Karlsruhe nutzt innovatives Verfahren, das die Wundheilung beschleunigt und gleichzeitig schmerzarm und frei von Nebenwirkungen ist.

Mit der sogenannten Kaltplasma-Therapie geht die Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie am Städtischen Klinikum Karlsruhe neue Wege bei der Behandlung von chronischen, schlecht heilenden Wunden. In der Wundambulanz wurde jetzt erstmals ein Patient mit dem neuartigen, wenig belastenden Verfahren behandelt.

„Bei der Kaltplasma-Therapie handelt es sich um eine äußerst innovative Therapieform, bei der durch Ionisation der Luft in einer Kammer über der Wunde ein sogenanntes Kaltplasma erzeugt wird“, beschreibt Klinikdirektor Prof. Martin Storck das Verfahren. „Diese Ionisation bewirkt eine Veränderung der Luft über der Wunde und es entsteht ein Kaltplasma, also voneinander losgelöste Atomkerne und Elektronen. Hierdurch sowie durch zusätzliche elektrische und optische Reize resultiert eine antimikrobielle und antimykotische Wirkung und es werden Keime und Pilze abgetötet.“ Die Kammer wird durch eine Auflage erzeugt, die sehr einfach aufgebracht werden kann. Ein vollautomatisches Steuergerät erleichtert die Bedienung.

Die Kaltplasma-Therapie wird über 2 bis 3 Minuten insgesamt dreimal wöchentlich bei chronischen, schlecht heilenden Wunden angewendet. „Eine neue randomisierte Studie in verschiedenen Kliniken zeigte relevante Vorteile dieses Verfahrens gegenüber der Standard-Wundtherapie“, betont Storck. „So ist die Therapie sehr schmerzarm und es treten keine Nebenwirkungen auf.“ Der Klinikdirektor ist Mitautor der Studie und in vielen Gremien und Leitliniengruppen aktiv, so auch als Präsident des Deutschen Wundrates.

Chronische Wunden sind weit verbreitet, etwa bei Typ-2-Diabetes, bei Patientinnen und Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit, venösen Erkrankungen, sowie bei Patientinnen und Patienten, die auf die Dialyse angewiesen sind. „Wir sind sehr froh, dass wir die Kaltplasma-Therapie jetzt zusätzlich zu den gängigen Verfahren wie der Vakuumtherapie oder der innovativen Fischhautmatrix anbieten können“, hebt Storck hervor. „In den kommenden Wochen wird die Kaltplasma-Therapie bei weiteren Patientinnen und Patienten eingesetzt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die ambulante Weiterbehandlung nach Antragstellung.“

Die Wundtherapie ist einer der Schwerpunkte im gefäßchirurgischen Leistungsspektrum der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie. Neben einer speziellen interdisziplinären Wundambulanz bieten Storck und sein Team eine vaskuläre Diagnostik und das gesamte Spektrum der gefäßmedizinischen Versorgung an.

Das Bild zeigt ein Portrait von Oliver Stilz
Autor: Oliver Stilz