"Die Mitarbeiter sollen gerne dort arbeiten"

Fachplaner Manuel Oepping im Interview zur künftigen Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte

Mit der Konzentration der Operationssäle geht auch der Umzug der Zentralsterilisation in die „neue Mitte“ des Städtischen Klinikums einher: In Haus M entsteht die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP), die die Versorgung mit Sterilgütern auf ein neues Niveau hebt. Manuel Oepping ist Fachplaner für die Medizin- und Labortechnik und erklärt im Interview, auf welche Dinge das Projektteam bei der Ausschreibung der AEMP geachtet hat.

 


Welche Anforderungen haben Sie im Vorfeld des Projekts AEMP erarbeitet?

Zunächst natürlich die Kapazität, sprich die Leistungsfähigkeit, der gesamten Anlage. Wir haben definiert, dass unsere neue AEMP 25 Prozent mehr leisten können soll, als die vorhandene Zentrale Sterilgutversorgung (ZSVA). Das natürlich vor dem Hintergrund, die baulichen und technischen sowie die hygienischen und ablauftechnischen Rahmenbedingungen auf den aktuellen Stand zu bringen und für die zukünftigen Entwicklungen gerüstet zu sein.

Dabei müssen wir Normen und Vorschriften einhalten und natürlich innerhalb des Budgets, des Zeitplans und des uns zur Verfügung stehenden Platzes bleiben. Nicht zuletzt sollen unsere in der AEMP tätigen Kolleg*innen ideale Bedingungen vorfinden und gerne dort arbeiten.

Welche Abteilungen waren im Boot?

Die Nutzer und Anwender sind wichtige Ansprechpartner, die das Vorhaben vor dem Hintergrund der täglichen Arbeit bewerten können. Dazu gibt es viele Bereiche, die auch in der Projektgruppe AEMP vertreten sind: Hygiene, Logistik, Technik, EDV bis hin zum Betriebsrat; so schließt sich der Kreis zu den Nutzern wieder.

Natürlich fanden im Planungsprozess im Bau- und Planungs-Team viele Besprechungen und Detailabstimmungen mit dem Architekt und den Fachplanern für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektrotechnik sowie dem Statiker statt.

Wie lief die Beschaffung ab?

Zuerst darf ich sagen, dass wir mit Steuergeldern – auch Ihre und meine Steuern – bauen und ein erheblicher Prozentsatz des Hauses M vom Land gefördert wird. Dafür gibt es die Vorschrift, dass solche Projekte europaweit neutral ausgeschrieben werden. Das haben wir gemacht, indem wir bei den in Frage kommenden Herstellern genau nachgesehen haben, was diese leisten können. Dann wurde die Ausschreibung erstellt.

Hatten Sie Erfahrungswerte, gerade auch mit dem jetzigen Partner Getinge?

Wir haben uns über insgesamt 20 Angebote von sechs Firmen gefreut: Belimed, Getinge, Lautenschläger, Matachana, Münchener Medizin Mechanik und Steelco. Ein bunter europäischer Blumenstrauß. Das Ergebnis der Ausschreibung haben wir anhand einer Bewertungsmatrix ausgewertet. Danach passt Getinge am besten zu uns. Mit Getinge – vielen sicher eher bekannt aus dem OP unter dem Namen Maquet – hatte ich persönlich im Bereich AEMP noch keine gemeinsamen Projekte.

Es war eine offene Ausschreibung, d.h. es konnten sich Unternehmen auf einzelne Teile bewerben.

Unternehmen können meist einzelne Dinge der AEMP besonders gut. Trotzdem hat der Markt sich insoweit konsolidiert, dass Anbieter zusammenarbeiten oder ein umfassendes Produktportfolio im Angebot haben. Daher haben wir die Funktionalität möglichst genau beschrieben und die baulichen und technischen Rahmenbedingungen genannt. Daraufhin konnten die Anbieter miteinander vergleichbare Angebote abgeben.

Ein Satz an dieser Stelle sei erlaubt: Viele Unternehmen wollen schon vorzeitig „Zugriff“ auf solche Projekte, um die Ausschreibung in die eigene Richtung beeinflussen zu können. Das ist im öffentlichen Bereich aber nicht zulässig. Daher kam diese recht aufwändige Beschaffungsmethode zum Einsatz.

Was deckt Getinge alles ab?

Mit Getinge steht uns ein Global Player zur Seite, der auch in Europa viele Projekt umsetzt und umgesetzt hat. Speziell in Dänemark gibt es z.B. bezüglich Automatisierung Projekte, die noch weit über unsere Installation hinausgehen. Dort packen Roboter den Fallwagen, der automatisch zum Zielort gebracht wird.

Für uns liefert Getinge die Hardware zur Reinigung und Desinfektion sowie zur Sterilisation. Für die Be- und Entladung sind automatische Systeme geplant. Der Transport erfolgt nach wie vor von Hand.

Sie haben das Fallwagen-Prinzip angesprochen …

In einem Satz zusammengefasst bedeutet es, dass die fertig auf dem Instrumentiertisch gerichteten Dinge zusammen mit dem vorbereiteten Patienten gleichzeitig im OP ankommen. Die OP-Abteilung nennt das „Optimierung der Abläufe“: Es können gleich viele Patienten mit vier OP-Sälen weniger operiert werden.

Was sind die größten Unterschiede zur bestehenden ZSVA?

Die bauliche Struktur, der Raum, Medizintechnik, Technik und Logistik sind auf dem aktuellen Stand. Weil sich die Fläche nahezu verdoppelt hat, sind einige Wege natürlich etwas länger geworden.

Im Gebäude E ist ein gut zugänglicher Technikkeller unter der bestehenden ZSVA vorhanden. Der OP ist eine Etage höher verortet. Im neuen Haus M liegt die AEMP ideal zum OP-Bereich, auf gleicher Ebene, in direkter Nachbarschaft. Daher ist unterhalb kein Technikbereich, dort ist vielmehr – direkt neben den Intensivstationen – die KMT-Station mit vielfach immungeschwächten Patienten; dort liegen z.B Menschen nach Stammzellen-Transplantation, die isoliert und geschützt werden müssen. Hier mussten wir einigen Aufwand obendrüber in der AEMP betreiben, um im Havarie-Fall Beeinträchtigungen der darunterliegenden Etage zu vermeiden.

Diese Betrachtung der Unterschiede ist aber durch die Brille des Fachplaners gesehen, ich bin gespannt, was die Nutzer an dieser Stelle berichten werden.

Wie sieht es aktuell auf der Baustelle aus?

Wir sind im Zeitplan. Wir starten gerade die Installation der Großgeräte, erstes Teil ist eine Bodenwanne. Ein Detail muss vor Ort doch noch anders ausgeführt werden als bisher geplant, aber das ist für uns Bauleiter täglich Brot. Der Bau soll in ca. einem Jahr fertig sein. Bis Mitte 2021 läuft dann die Inbetriebnahme, d.h. die erstmalige testweise Nutzung unter realen Bedingungen.

Spannend ist, den richtigen Termin für die Anlieferung der Gerätschaften festzulegen. Damit nicht alles auf der Baustelle verstaubt, möglichst spät. Damit wir alle Anschlüsse anfahren können, möglichst früh. Damit die Gewährleistungsfrist nicht zu früh startet, möglichst spät. Damit wir Anfangsprobleme ausmerzen können, wieder möglichst früh. Um Stillstand und Stagnation im Leitungsnetz zu vermeiden, doch eher später …

Sie gehen von einer Erneuerung des Geräteparks im Jahr 2036 aus. Wie dürften sich Technik und Anforderungen dann aus ihrer Sicht weiterentwickelt haben?

Leider habe ich keine Glaskugel in meinem Werkzeugkasten. Sicher ist aber, dass in Zukunft die Aufbereitung jedes einzelnen Instruments nachvollziehbar sein kann – und vielleicht muss. Ich hoffe jedoch aus umweltpolitischen Gründen, dass sich der Trend zu Einmalinstrumenten umdrehen wird.

Weiterhin ist die Sterilisation von thermolabilen Stoffen ein Thema, das noch weiter entwickelt wird: Ein Plasma-Sterilisator ist kein Allheilmittel. Der bei uns vorhandene, in der Krankenhauslandschaft jedoch eher selten genutzte EO-Gas-Sterilisator könnte eine Renaissance erleben oder ein ganz neues Verfahren könnte Einzug halten. Hier haben wir mit unserem Hygieniker Dr. Eberhard Kniehl eine möglichst zukunftsträchtige Planung abgestimmt. Ich bin selbst sehr gespannt, wohin die Reise geht.

 


Zur Person: Diplom-Ingenieur Manuel Oepping ist Fachplaner für die Medizin- und Labortechnik. Im Projektteam „Neubau Haus M“ vertritt er auch den Bauherren Städtisches Klinikum gegenüber den anderen Planern. Viele Mitarbeitende des Klinikums sprechen ihn aber auch direkt an, wenn sie Fragen zum Neubau haben.

Autor: Oliver Stilz